Die Abydosfahrt in den altägyptischen Privatgräbern: Eine ikonographische Untersuchung ihrer Darstellung bis zum Ende der 18. Dynastie [Paperback]

D Br≈ckelmann (Author)

£70.00
OR
ISBN: 9782503525181 | Published by: Brepols | Series: Monumenta Aegyptica | Volume: 12 | Year of Publication: 2015 | 450p,
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Die Abydosfahrt in den altägyptischen Privatgräbern

Details

English info text: The Abydos journey is one of the most important pictorial records of a boat journey out of Ancient Egypt. It is represented in tombstones of the rich tradesmen, which were commonly known as the private graves, to distinguish them from the royal tombs. This scene is frequently represented in the graves that were located in the sheer cliffs of western Thebes from the Middle Kingdom onwards. The goal of the journey can be understood from the hieroglyphs: the holy place of Abydos, which is closely associated with the god Osiris. The occupant of the grave wished to take part in the procession festivities there, in which Osiris overcoming death and being reborn was ritually staged. As the graves also depict the return journey from Abydos to the necropolis, a ship towing the sacred boat with passengers is shown twice on the wall.


The book analyses these representations, providing the basis for identifying and bringing together existing iconographic monuments and determining the relationship between poorly preserved fragments. German text.


German info text: Die Abydosfahrt gehört zu den wichtigsten bildlichen Wiedergaben einer Schiffsfahrt aus dem Alten Ägypten. Dargestellt ist sie in den Grabmonumenten der gesellschaftlichen Elite, die in Unterscheidung von königlichen Anlagen gemeinhin Privatgräber genannt werden. Vor allem in den Gräbern, die ab dem Mittleren Reich in den Felshängen von Theben-West angelegt wurden, ist die Szene häufig vertreten. Den hieroglyphischen Beischriften lässt sich das Ziel der Reise entnehmen: der heilige Ort Abydos, der mit dem Gott Osiris eng verbunden ist. Dort möchte der Grabinhaber an den Prozessionsfesten teilnehmen, in denen die Todesueberwindung des Osiris stets aufs Neue rituell inszeniert wird. Da in den Gräbern auch die Rueckkehr aus Abydos zur Nekropole gezeigt wird, ist folglich die von einem Reiseschiff geschleppte Kultbarke mit den Insassen zweimal an der Wand zu sehen.


Ziel der Untersuchung ist die grundlegende Bearbeitung der Darstellungen. Ausgehend von einem Paradigma werden die Kriterien zusammengestellt, die eine Identifikation anhand ikonographischer Merkmale ermöglichen. Darauf basierend kann auch ueber die Zugehörigkeit schlecht erhaltener Wiedergaben entschieden werden.


Szenen aus dem Alten Reich, die bislang mit der Fahrt nach Abydos in Verbindung gebracht wurden, halten einer solchen Einordnung nicht Stand. Die fruehesten Belege stammen auf jeden Fall aus dem Mittleren Reich, und zwar - wie hier gezeigt wird - vermutlich bereits aus der 11. Dynastie. Der umfassende Materialbestand aus der 18. Dynastie erlaubt es, fuer das Neue Reich eine kontinuierliche Entwicklungslinie der Ikone aufzuzeigen. Von der Abydosfahrt zu trennen sind Darstellungen der Westfahrt und der Fahrt auf dem See, die in dieser Zeit ebenfalls im funerären Bildzusammenhang auftreten.


Da mit dem Wandel des Grabgedankens ab der 19. Dynastie die Wiedergabe der Fahrt nach Abydos zunehmend seltener wird bzw. deutlichen Veränderungen unterworfen ist, bietet das Ende der 18. Dynastie eine sinnvolle Grenzziehung fuer die Materialbearbeitung. Bis dahin bilden die Darstellungen eine relativ geschlossene Gruppe, die hier in vier am Szenenaufbau orientierte Typen untergliedert wird.



Schliesslich erfahren die bisherigen Deutungsversuche des Fahrtgeschehens eine kritische Wuerdigung. So wird es sich kaum um eine Wallfahrt handeln, die man zu Lebzeiten oder gar postum unternahm. Aber auch ein Statuenritual im Rahmen der Bestattung ist wohl auszuschliessen. Die Frage nach einem realen Vollzug lässt sich anhand der Bilder in den Gräbern nicht beantworten - wenn ein solcher ueberhaupt von Bedeutung war. Kein Zweifel kann jedoch daran bestehen, dass die bildliche Wiedergabe im Grab den Übergang ins Jenseits sichern und die Verbindung des Toten mit den Festriten in Abydos fuer die Ewigkeit festschreiben sollte. Mittels der Ikone [Abydosfahrt] wird der altägyptische Verstorbene in der Tat das erreicht haben, was er sich so sehr wuenschte: seine Unsterblichkeit als Osiris wurde fuer ihn Wirklichkeit.

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